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Gedichte und Lieder

Der alte Protestsänger

So manches Lied hätte er lieber nicht gesungen

doch hat der Zustand dieser Welt ihn letztlich doch gezwungen,

seine Stimme zu erheben

und ein Lied zu singen übers Leben,

übers Lieben, übers Lachen

und über die, die alles das zunichte machen.

 

Vielleicht wär ihm manchmal danach gewesen,

seiner Liebsten Gedichte vorzulesen

oder ein paar Zeilen zu schreiben

über das Kommen und über das Bleiben.

Doch immer wieder musste er gehen

um irgendwo auf einer Bühne zu stehen

und Lieder zu singen vom Widerstand

gegen Faschisten im Mutter- und Vaterland.

Lieder vom Frieden und gegen den Krieg,

für die Arbeiterklasse und deren Sieg.

Über die Massenhaltung von Tieren

und wie wir die Kontrolle über die Atomkraft verlieren.

Er singt über Hunger und Seuchen und Tod,

über Altersarmut und Wohnungsnot.

Jetzt ist er alt, vom Leben bleibt nur ein Rest.

Es reicht gerade noch für einen letzten Protest.

Er nimmt seine Klampfe und geht an den Strand.

Da wo vor paar Jahren noch die Dorfkirche stand,

umspülen heute die salzigen Wellen

die eilig errichteten Anlegestellen.

Und ein paar Kilometer entfernt von der Küste

beginnt auch schon die norddeutsche Wüste.

 

Und der Sänger singt sein Lied in den Wind,

vom Leben, vom Lieben und seinem Kind.

Doch niemand ist da, den sein Singen noch stört

und dennoch hofft er, dass ihn diesmal wer hört.

Arno - Der alte ProtestsängerArno Jauernig
00:00 / 03:30
Wenn Texte beginnen zu klingen

Da ist ein Gedanke.

Der Gedanke formt sich zu einem Wort.

Das Wort findet ein Geschwisterchen, das sich mit ihm reimt.

Die Worte schwingen sich auf einen Rhythmus ein.

Und dann gesellt sich eine Melodie dazu.

Einmal noch

Einmal noch die Welt.

Einmal noch die Welt

mit Kinderaugen sehen,

mit Kinderohren hören,

mit Kindernasen riechen,

mit Kinderzungen schmecken,

mit Kinderhänden begreifen.

 

Einmal noch den Wald.

Einmal noch den Wald

erfahren, wie zu der Zeit,

als es noch kein Wort gab

für den Baum.

Als der Baum ein großer Freund war

und ein Teil von mir.

 

Einmal noch das Licht.

Einmal noch das Licht

funkelnd und glänzend

das Gras auf der Lichtung

verzaubern sehen

und durch meinen Körper tanzend

meine kleine Seele leuchten lassend.

 

Einmal noch das Lied.

Einmal noch das Lied

des Waldes hören.

Nicht wissen, wo die Melodien herkommen,

wo sie hingehen.

Spüren, wie der Gesang der Singdrossel

zwischen meinen Ohren flirrt.

 

Einmal noch den Duft.

Einmal noch den Duft

von weichem Moos

und herbstlich-feuchtem Laub

in meiner Nase

sich in einen Traum verwandeln lassen.

 

Einmal noch die Pfütze.

Einmal noch die Pfütze

erkunden,

die nach dem großen Regen

Heimat ist für das Leben.

Für ein Gewusel kleiner Tierchen,

für die mir das Leben später

den Namen Kaulquappen geben wird.

 

Einmal noch staunen.

Einmal noch wundern.

Einmal noch Teil des Wunders sein.

Einmal noch Eins sein.

 

Einmal wieder wissen,

dass in jenem Wald,

in dieser Welt,

noch immer dieses Kind lebt,

das eins sein darf mit dieser Welt

weil es keine Worte für die Wunder hat.

 

Und wenn Du kommst,

werde ich Dir keinen Namen geben.

Dich nicht benennen,

nur nehmen wie Du bist.

Arno - Einmal noch (Kind sein)Arno Jauernig
00:00 / 03:25
Wenn der letzte Ton verklungen ist

Ein Ton verhallt.

Klingt als Schwingung in Dir nach.

Lass ihn Schwingung sein

bevor er sich in Dir 

zu Gedanken formt

oder Gefühlen.

Absurder Sommer

Der Sommer schwitzt,
wirft seine Perlen vor die Badegäste.
Am Stadtrand sitzt
das Großstadtvolk im bleichen Gras und feiert Feste.
Ein Bauer sucht
mit seinem Fernglas Regenwolken
und seine Frau flucht
hättest Du doch besser mal die Kuh gemolken.

 

Der Sommer träumt
von jener Zeit als er noch jung und Frühling war.
Ein Knabe zäumt
sein Schaukelpferd von hinten auf vor dem Altar.
Ein Leichtmatrose setzt
zum letzten Sprung ins frisch geleerte Becken an.
Spring doch nicht jetzt!
Wart bis es wieder regnet irgendwann!

 

Der Sommer trauert
bei der Aussicht bald schon Herbst zu sein.
An jeder Ecke lauert
eine große Dürre auf Erlösung durch den schönen Schein.
Ein feister Banker
löst der Rentnerin das Lebenskonto auf.
Ein dichter Denker
sammelt im Stadtpark Verse ein beim Spendenlauf.

 

Der Sommer trägt
als träger Lieferdienst die Schwüle in den dritten Stock.
Ein Mieter sägt
aus Buchenholz ein Fliegengitter auf dem Arbeitsbock.
Ein junger Mann wirbt
um die Schöne mit lackiertem Fingernagel
und in Europa stirbt
ein ganzes Land im Bombenhagel.

Absurder SommerArno Jauernig
00:00 / 02:42

Neu geboren

für meine Kinder und Enkelkinder

Nun bist Du da.
Ersehnt. Erwartet.
Geliebt, lange bevor wir uns
ein Bild von Dir gemacht haben.


Und Du bist.
Ein Leben. Ein Mensch.
Vollkommen, lange bevor wir
begonnen haben, Dich zu erziehen.


Und Du gibst.
Dein Sein. Dein Dasein.
Liebe, lange bevor Du wissen kannst,
wie das geht.


Du bist das Glück.

Neu geborenArno Jauernig
00:00 / 02:45
Pianist.png
In freudiger Erwartung

Die Sekunde

bevor der Pianist den Ton anschlägt.

Du nimmst vorweg,

was gleich geschehen wird,

im Herzen, in Gedanken.

Du hörst und spürst den Ton der kommen wird

und bist dann doch überrascht.

Das Gedicht kann beginnen.

Für immer jetzt

Bliebe die Zeit wohl stehen,
nur ich ging immer weiter,
es wäre immer jetzt
das Barometer stünde stets auf heiter.


Ich käm an Orte,
die schon längst vergangen
feierte Feste,
die noch gar nicht angefangen.


Ein Hier und Da
wär nie ein Dann und Wann
und wär die Liebe aus,
fing sie sogleich von vorne an.


Erinnerung
wär zugleich eine Ahnung
von dem was ein paar Meter weit passiert.
Die Kirchturmuhr
wär nichts als Mahnung,
den Moment der Leben heißt zu leben, ungeniert.


Die Sommersonne
schien auf meine nackte Winterbrust
und buntes Herbstlaub
weckte meine Frühlingslust.

Bliebe die Zeit wohl stehen
und auch mein Weg wär nicht mehr weit,
all die Feste, all die Liebe, all die Lust
wären ein Teil meiner ganz eignen Ewigkeit.

Für immer jetztArno Jauernig
00:00 / 02:10
Geigerin.png
Ein Flirt zwischen Text und Melodie

Ein Kontakt.

Kurz.

Gerade so lange, dass die Neugier geweckt ist.

Werden sie einander folgen?

Noch ist nicht die Zeit,

im Gleichklang durch die Zeit zu gleiten.

Über Grenzen/Flirt

Da haben wir wohl eine Grenze überschritten,
für einen Flirt war‘n wir uns einen Augenblick zu nah.
Es war die Lust, die uns in dem Moment geritten.
Es war nicht richtig und doch wunderbar.


Jetzt weiche ich ein kleines Stück zurück,
Du tust’s mir gleich, hüllst Dich in Schweigen.
Die Grenzen sind gesichert und zum Glück
kann ich mich wieder mit Dir zeigen.


Wie lang das gut geht, können wir zurzeit nicht sagen,
es kann gut sein, der nächste Augenblick will mehr.
Dann bleiben unsre Blicke aneinander haften und sie tragen
uns hin zu einem kleinen Grenzverkehr.

Über GrenzenArno Jauernig
00:00 / 02:13

In Dir ertrunken

Jetzt bin ich doch in Dir ertrunken,
hab zwar am Ende noch gewunken.
Hilft mir noch wer? Hab ich noch Glück?
Doch alle winken nur zurück.
Sie halten mich für froh und munter
und ich geh hilflos in Dir unter.

Jetzt hab ich mich dem Los ergeben,
hab abgeschlossen mit dem Leben.
Es ist fast so als ob ich schliefe.
Ich dümple rum in Deiner Tiefe,
wo es so feucht ist und so kalt,
wo es kein Licht gibt, keinen Halt.

Jetzt bin ich ganz mit Dir vereint.
Hab ich das wirklich so gemeint?
Als ich sagte, Glück auf Erden,
sei es, mit Dir Eins zu werden.
Heut denk ich, so kann das nicht stimmen.
Ach, hätt ich doch gelernt zu schwimmen!
 

In Dir ertrunkenArno Jauernig
00:00 / 01:44
Drummer.png
Der Rhythmus streichelt die Melodie des Textes

Jeder Text

hat seine eigene Melodie.

Jetzt braucht er

den Beat.

Dazwischen

Ich bin der Dazwischen.
Vor mir meine Eltern
und die Eltern meiner Eltern
nach mir meine Kinder
und die Kinder meiner Kinder.
Und ich dazwischen.

Ich bin der Dazwischen.
Vor mir das Morgen,
hinter mir das Gestern.
Ich bin der Heute.

Ich bin der Dazwischen.
Das, was Du siehst,
wenn Du die Zeilen weglässt.

Ich bin der Dazwischen.
Um mich herum
lauter Stühle.

DazwischenArno Jauernig
00:00 / 03:09

Spuren

So, wie die sanfte Brandung des Meeres
die Spuren meiner Füße verwischt,
kaum sind sie in den weißen Sand gedrückt,
so umspült ein gnädiges Lächeln
meine kleinen Unarten und Verfehlungen
und sie werden ins rechte Licht gerückt.

So, wie der Fels der Brandung des Meeres
für Jahrtausende widersteht
und sich vom Wasser bespielen lässt,
so unbeirrbar steht mein Herz
inmitten aller Wirrungen,
umspült von Liebe, sanft und fest.

SpurenArno Jauernig
00:00 / 02:21

Vorübergehend

Ich sitz auf der Parkbank, es ist fast halb drei,
da geht eine schöne Frau vorbei.
Die Augen blau, die Locken blond,
entschwindet sie bald am Horizont.
Das Haar verspielt im Winde wehend
war sie bei mir – vorübergehend.

VorübergehendArno Jauernig
00:00 / 01:45
Erinnerung

Eine Farbe

Ein Geruch

Eine Berührung

Ein Geschmack

Ein Ton

Ein Lied

November (in Istrien)

November, leuchtend bunt und grell.
Die Sonne warm, wie Gold so hell.
Noch weigern sich die gelben Blätter, sich vom Ast zu lösen
laden mich ein, mit ihnen in der Mittagszeit zu dösen.
Ein Glas vom ersten jungen Wein
bricht tausend Sonnen auf den Stein.
Bald wird der Herbstwind auch das letzte Laub erfassen.
Ich werde mich behutsam mit ihm fallen lassen.

November (in Istrien)Arno Jauernig
00:00 / 03:10

Ein Wind kommt auf

Ein Wind kommt auf,

beginnt als sanfte Brise,

vielleicht wird ja im weiteren Verlauf

daraus noch eine sturmgestählte Krise.

 

Ein Wind kommt auf,

der zusammen mit der Sonne Kraft

die Wäsche trocknet auf der Leine.

Und der es auf dieselbe Weise schafft,

die Tränen zu trocknen, wenn ich weine.

 

Ein Wind kommt auf,

umschmeichelt meine schweißbedeckte Haut,

singt mir ein Lied von denen,

die sich heute schon getraut,

ihm mit auf den Weg zu geben all ihr Sehnen

 

Ein Wind kommt auf

und fegt mit seinem Wehen

das Laub zusammen, häuft es auf zu einem Turm.

Im Spiel des Windes werden wir uns sehen

und unsre Herzen erobern sich im Sturm.

 

Wir begegnen uns im Wind

und erobern uns im Sturm

Ein Wind kommt aufArno Jauernig
00:00 / 02:57

Der Freund in mir

Komm, sei bei mir,

tröste mich,

tröste mich und mach mir Mut.

 

Gib mir Zuversicht

und Hoffnung

und die Gewissheit: es ist gut.

 

Gib mir Brot

und gib mir Wasser,

nähre auch mein großes Herz.

 

Lass mich spüren

und genießen

lenk meine Blicke himmelwärts,

 

Sei mir ein Freund,

ein Wegbegleiter,

bring mich auf Berge und in Täler.

 

Fang mich auf

und lass mich los

und lach mit mir über alle meine Fehler.

Der Freund in mir (2026)Arno
00:00 / 01:26

Sommerblumen im Winter

Ein buntes Meer aus Sommerblüten

wartet geduldig auf den ersten Schnee.

Es wird solang die Erde hüten

und mich erfreu’n, wenn ich es seh.

 

Es wird mich auch zu Tränen rühren,

ich weine alle, die ich hab,

die Wege, die zu diesen Blumen führen

lenken mich auch zu Deinem Grab.

 

So wie die Sommerblumen hast auch Du geblüht,

warst für uns Rittersporn und Nelken.

Dann kam der Herbst und viel zu früh

hast Du beschlossen, zu verwelken.

 

Doch zur Heilung unsrer Seelen Narben

bleibt die Erinnerung an Deine wunderbaren Farben.

Sommerblumen im WinterArno
00:00 / 02:24

Tränen

Die Tränen auf den Blättern

sind der Rest vom letzten Regen.

Die Mittagssonne

ermuntert sie, sich aufzulösen.

Ein Hauch von Nebel

wird sich über diese Erde legen

und aus den Tränen

werden Geisterwesen.

Sie laden die Welt

zum Tanz im Licht,

die Blätter hoffen noch

auf etwas Wind.

Sie wissen,

dass auf lange Sicht

die Tränen 

ihre Tanzlehrer sind.

Tränen (Zacherl)Arno
00:00 / 04:04

Das ist die bajuwarisierte Version. Die Originalversion, sowie eine englische und eine italienische gibt es hier ...

Die Augen von damals

Ein altes Foto von mir als Kind.

Nichts Besonderes –

es zeigt mich so, wie wohl alle Kinder sind.

 

Strahlende Augen, ein seliges Lachen.

In die Welt schau’n,

wie es wohl alle Kinder machen.

 

Mir ist als winkte das Kind mir zu:

„Ja, schau mich nur an,

und sei Dir sicher - ich bin Du!“

 

Das Kind auf dem Bild und der Mann, der es sieht

sind derselbe Mensch,

in ihrem Innersten - ohne Unterschied.

 

Fühl Dich hinein in des Kindes Glück.

Schau es nur an,

dann schaut es zurück.

 

Wie hab ich das Strahlen und Lachen vermisst.

Beschäftigt mit Älterwerden hab ich nicht benerkt,

dass es immer da gewesen ist.

Die Augen von damalsArno
00:00 / 02:59

(Wir) Kinder

Lasst die Kinder Kinder sein,

lasst sie fröhlich sein und laut.

Lasst sie spielen, tanzen, schrein,

auch wenn der Nachbar recht blöd schaut.

 

Lasst sie durch die Gärten springen,

lasst sie jubilier’n und toben.

lasst sie freche Lieder singen

vergesst nicht, sie dafür zu loben.

 

Solang die Kinder Kinder sind,

dürfen sie lebendig sein.

Ist es erstmal groß, das Kind,

fällt ihm dann andrer Unfug ein.

 

Lasst die Kinder Kinder sein,

versucht nicht, sie zu lenken.

Schärft ihnen aber heut schon ein,

an diese Freiheit später noch zu denken.

 

Lasst uns alle Kinder sein,

lasst uns fröhlich sein und laut.

Lasst uns spielen, tanzen, schrein,

auch wenn der Nachbar recht blöd schaut.

(Wir) KinderArno
00:00 / 02:34
Wir Kinder (Alt. Version)Arno
00:00 / 03:07

Vom Meer (Kein Shanty)

Hätt ich noch nie das Meer gesehen,

Mir fehlte dieses Rauschen.

Ja, ja ich weiß, das Meer ist schön,

Doch lang kein Grund, es aufzubauschen.

 

Es ist halt nass und salzig,

Die Lieder drüber meistens schmalzig.

Sie handeln von Mädchen und Matrosen

Und wie sie sich beim Abschied liebkosen.

 

Sie erzählen, wie in jedem Hafen

Die Kerle mit jedem Mädchen schlafen.

Und wie sie, frisch genesen,

Bei ihrer Rückkehr so tun, als wäre nichts gewesen.

 

Ich weiß nicht - ist es heut immer noch so?

Oder wären die Frauen heute nur froh,

Der Kerl wär im Pfefferland geblieben

Und sie könnten stattdessen einen Buchhalter lieben?

 

Natürlich hab ich schon mal das Meer gesehen,

Ich kenn sein Kommen und ich kenn sein Gehen.

Ich kenne dies ewige Hin und Her

Und auch ohne das Meer

Fiel das Bleiben mir schwer.

 

Ich bin kein Matrose,

Muss nirgendwo hin.

Ich binde mich lose

Da wo ich bin.

 

Und auch das Rauschen und das Plätschern der Wellen

Ist in meinem Kopf und führt mich an Stellen

Wo sich bei Vollmond die Welten mischen

Und sanfte Tiden meine Spuren verwischen.

 

Ich bin kein Matrose,

Muss nirgendwo hin.

Ich binde mich lose

Da wo ich bin.

 

Und jemand wartet auf mein spurloses Erscheinen,

Wartet seit Anbeginn der Zeit, hat keine Eile.

Dann komm ich aus dem Wasser, bin mit mir im Reinen

Ich bleib nicht für immer, aber doch eine Weile.

 

Ich bin kein Matrose,

Muss nirgendwo hin.

Ich binde mich lose

Da wo ich bin.

 

Ich bin kein Matrose,

Muss nirgendwo hin.

Ich binde mich lose

Da wo ich bin.

 

Ich binde mich lose

Da wo ich bin.

 

Da wo ich bin.

Vom Meer (Kein Shanty)Arno
00:00 / 04:37

Am Ende (kein Heimatlied)

Bewaldete Hügel durchziehen das Land,

ein Hirsch röhrt an der Wohnzimmerwand.

Da wohnt man nicht! Da ist man daheim!

Hier ist man Volk, hier darf man’s sein.

 

Hier verfolgt man seit Generationen

fremde Menschen, die auch hier wohnen.

Das Volk ist hier eine fleischige Masse

und fühlt sich wieder als Herrenrasse.

 

Hier zieht gemächlich der Geist der Ahnen

durch den Bratwürschtlrauch seine ewigen Bahnen.

Im Wohnzimmerschrank mit Eichenfurnier

Fotos von früher auf vergilbtem Papier.

 

Der Uropa stolz mit des Kaisers Bart,

der Opa mit Wehrmachtskameraden um sich geschart.

Und dann, schon in Farbe, der Papa

im Ausgehdress der NVA.

 

Der Uropa verlor den ersten Krieg,

der Opa verpasste im zweiten den Sieg.

Und der Papa hat die Diktatur sehr genossen

und am Schutzwall einen Flüchtling erschossen.

 

Und draußen haut Sohnemann auf die Kacke

mit Runentattoo und Reichskriegsflagge.

Für ihn und zwei andre ist’s ein Erfolg,

auf der Straße zu grölen: „Vier sind das Volk“

 

Seine Ahnen haben zwar alles verkackt und verloren

er aber fühlt sich auserkoren

nunmehr mit seinen eigenen Händen

die Geschichte des Scheiterns zu vollenden

 

(Davon hat er nämlich noch keinen Schimmer -

am Ende scheitern Faschisten immer)

Am Ende (kein Heimatlied)Arno
00:00 / 03:29

Genug, um zu leben

Du bist noch da.

 

Das ist mehr

als man hätte erwarten können.

 

Die Gedanken flattern

um dich herum

wie hungrige Raubvögel.
Sie lassen sich auf deinen Schultern nieder
und tun so, als gehörten sie dorthin.

 

Glaub ihnen nicht alles,

was sie dir ins Ohr flüstern.

 

Es gibt Wege nach draußen,
du wirst sie sehen,
wenn du aufhörst,
die Vögel auf deiner Schulter

im Spiegel zu bewundern.

 

Es gibt Hoffnung.
Manchmal ein Geräusch im Nebenzimmer.
Manchmal der einzelne Ton

einer Gitarre aus der Ferne.
Oder ein Satz, der bis zum Abend 

in dir klingt.

 

Fürs Erste wird dich das tragen.

 

Warte nicht darauf,
dass jemand dein Leben
für dich lebt.

 

Sieh die Öffnung in der Wand.
Mach sie weiter.
Lass die Raubvögel fliegen.

 

Du wirst nicht alles gewinnen.
Niemand tut das.

 

Doch mit den Vögeln
fliegt die Angst davon.
Der Raum gehört wieder dir.

 

Du kannst lachen,
auch wenn nichts lustig ist.
Du kannst lieben,
auch wenn es gefährlich scheint.
Du kannst am Morgen aufstehen
und dem Tag zeigen,
dass du gerade erst anfängst.

 

Solange du atmest,
ist etwas offen.

 

Vielleicht nicht viel.

 

Aber genug.

 

Genug, um zu leben.

Genug, um zu lebenArno
00:00 / 04:04

Mein hungriges Herz

(Du bist der Hunger meines Herzens)

Ich bin hungrig.

Und das süße Obst

aus meinem Garten

und aus meinem Ofen

das kräftige Brot

machen mich satt -

fürs Erste.

 

Mein Herz

ist hungrig.

Es sehnt sich.

Aber vom Sehnen

wird ein Herz nicht satt.

Ein Herz wird niemals satt.

Denn seine Nahrung

ist der Hunger.

 

Ich bin durstig.

Das reine Wasser

des Bergbachs

erfrischt meinen

vertrocknenden Körper.

 

Mein Herz

dürstet.

Es dürstet nach Liebe.

Doch kein Brunnen

hat Wasser genug,

den Herzensdurst 

zu stillen.

 

Du nährst mein Herz,

Du stillst seinen Durst

und Du sollst wissen,

dass es immer

nach Dir verlangen muss.

 

Du bist der Hunger meines Herzens.

Mein hungriges HerzArno
00:00 / 02:35

Alternative Version:

Mein hungriges Herz (Chor)Arno
00:00 / 02:57

wie tag und nacht

tagundnacht

dem morgen graut

bei dem gedanken

an den kommenden tag

 

gerne würde er

dem tag

ein wenig von der

finsternis der nacht

mit auf den weg geben

 

es reicht 

gerade mal für

etwas trübnis

 

der abend

schenkt dem tag

was der vom morgen

nicht

annehmen wollte

 

gerne würde er

der nacht

ein wenig von dem

licht des tages

mit auf den weg geben

 

es reicht

gerade mal für

ein paar sterne

wie tag und nachtArno
00:00 / 03:30

Als noch Zeit war

Noch Zeit

Als noch Zeit war,

hat man die Rufe der Unken verspottet,

die Schreie des Grases beim Wachsen ignoriert

und das Menetekel an der Wand mit Smileys dekoriert.

 

Jetzt ist es zu spät.

Die Unken sind ausgestorben.

Das Gras verdorrt.

Die Hand, die einst das Menetekel 

an die Wand geschrieben hat,

tippt nur noch unverständliche Zeichen 

in die Rechner der Welt.

 

Wir gewöhnen uns daran,

mit all dem zu leben,

was wir einst verlacht, verhöhnt

und verdrängt haben.

 

Wenn einst eine gnädige KI

den Enkeln unserer Enkel

von den Rufen der Unke,

von den leisen Klagen des Grases

und von den Prophezeiungen an den Wänden

erzählen wird,

werden sie uns verfluchen.

 

Wir aber haben uns daran gewöhnt,

mit all dem zu leben.

Als noch Zeit warArno
00:00 / 03:44

Eine ganze Welt

(Arno nach einem Text von Emily Dickinson)
ganze Welt

Es braucht nicht viel,

um eine ganze Welt zu schaffen:

ein wenig Licht,

ein paar Felsen,

einen Tropfen Wasser

und etwas Fantasie.

Wenn kein Wasser da ist,

genügt auch Fantasie allein.

 

Es braucht nicht viel,

eine friedliche Welt zu schaffen:

etwas guten Willen,

verbindliche Gespräche,

ein paar Regeln

und Menschlichkeit.

Wenn es keine Regeln gibt,

genügt auch Menschlichkeit allein.

 

 

angeregt durch Emily Dickinson (1862):

 

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Eine ganze WeltArno
00:00 / 01:47

Erinnerung an morgen

Erinnerung

Ich erinnere mich an morgen

als sei es gestern gewesen.

An den Sommerwind,

an wolkige Geisterwesen.

 

An warmen Regen

und betäubende Rosen.

An Getreidefelder

und zerrissene Hosen.

 

An goldene Blitze 

aus kupfernem Himmel

und in der Abendstille

entferntes Kirchengebimmel.

 

ich denke an den

tanzenden Mückenschwarm

und den Marienkäfer

auf meinem Arm.

 

An den Geruch aus der Küche -

mein Leibgericht

und eine Melodie

im Abendlicht.

 

Ich denke zurück

an eine Zeit ohne Sorgen.

Das ist meine

Erinnerung an morgen.

Erinnerung an morgenArno
00:00 / 04:06

Der schöne Schein

Schöner Schein

Der Mond, ein finsterer Gesell,

tut nächtens so, als sei er hell.

Dabei scheint er selber nicht,

er glänzt nur in der Sonne Licht.

 

Ja, der Mond, er wär wohl gern,

wie andre Himmelslichter auch, ein Stern.

Doch einen Kern für sowas hat er keinen,

so lässt er sich halt fremd bescheinen.

 

Und zieht um die Welt (auch durch dieses Gedicht)

wie ein Star im erhellenden Scheinwerferlicht.

 

Mit dieser Masche ist der Mond nicht allein,

die halbe Welt sonnt sich in fremdem Schein.

Mit dieser kleinen Sonnenlist,

scheint mancher oftmals mehr als er ist.

Der schöne ScheinArno
00:00 / 02:54

Der Sommer geht

Bevor der Sommer leise geht,

Schaltet er um von hoch auf spät.

Die heißen Tage weichen warmen,

die tiefe Sonne zaubert geheimnisvolles Licht

der späte Sommer zeigt Erbarmen

mit meinem Sonnencremegesicht.

 

Wenn der Sommer leise geht

wird es bald wieder früher spät.

Jetzt sitzt man lange noch im Hellen,

es reicht wohl eine leichte Jacke.

Nur die Bäume haben schon an manchen Stellen

im Laubwerk eine kleine Macke.

 

Wenn der Sommer leise geht

ein Hauch von Wehmut uns umweht.

Aus Sommerwind wird Herbststurm werden

aus Abenden am See wird lange Zeit vor dem TV

Ab in den Stall geht’s mit den Nutztierherden.

Jetzt liest man Bücher oder macht sich schlau.

 

Wenn der Sommer leise geht

der Herbst schon vor der Türe steht.

Der Sommer macht die Türe auf,

er übergibt dem Herbst das Land.

Er sagt noch: pass mir gut drauf auf

und dann reicht man sich die Hand.

 

Und ist der Winter dann bald da,

sonnt sich der Sommer in Südafrika.

Der Sommer gehtArno
00:00 / 03:57
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